Geldspielgesetz und Krypto: Was die BGS-Evaluation für Bitcoin-Wetten bedeutet
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Loterie Romande und Swisslos haben 2026 zusammen 850 Millionen CHF an gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet — Sport, Kultur, Soziales. Diese Zahl ist der Elefant im Raum bei jeder Diskussion über Krypto-Wetten in der Schweiz. Denn das Geldspielgesetz existiert nicht im luftleeren Raum: es sichert einen Finanzierungsmechanismus, von dem Hunderte von Organisationen abhängen. Wenn Krypto-Buchmacher diesen Geldfluss umleiten, hat das Konsequenzen weit über den Wettmarkt hinaus.
Die BGS-Evaluation 2026-2026 ist die erste umfassende Überprüfung des Geldspielgesetzes seit seinem Inkrafttreten 2019. Kryptowährungen wurden im ursprünglichen Gesetz nicht erwähnt — damals war Bitcoin-Gambling noch eine Randerscheinung. Heute ist es ein Milliarden-Markt. Ob und wie die Evaluation dieses Thema aufgreift, wird die Zukunft von Bitcoin-Wetten in der Schweiz massgeblich bestimmen.
Was das BGS ursprünglich regeln sollte
Das Geldspielgesetz von 2019 verfolgt drei zentrale Ziele: Spielerschutz, Prävention von Geldwäsche und die Sicherstellung, dass Erträge aus Geldspielen der Allgemeinheit zugutekommen. Das Schweizer Modell ist weltweit nahezu einzigartig: Swisslos hat seit 1937 über 7 Milliarden CHF an gemeinnützige Zwecke überwiesen. Jeder Franken, der bei einem nicht lizenzierten Anbieter gesetzt wird, fehlt in dieser Kette.
Das BGS reguliert sowohl Casinos als auch Sportwetten und Lotterien. Für Sportwetten gilt: nur Swisslos (Deutschschweiz) und Loterie Romande (Romandie) dürfen Online-Sportwetten anbieten. Internationale Anbieter — ob Fiat oder Krypto — sind nicht lizenziert und können durch DNS-Sperren blockiert werden. In der Praxis greifen diese Sperren nur begrenzt, und die Nutzung nicht lizenzierter Anbieter durch Schweizer Spieler bleibt ein offenes Problem.
Was das BGS nicht regelt: Kryptowährungen als Zahlungsmittel bei Sportwetten. Das Gesetz ist technologisch neutral formuliert — es spricht von «Geld» und «Einsätzen», ohne zwischen Franken, Euro und Bitcoin zu unterscheiden. Diese Neutralität war 2019 vermutlich beabsichtigt, schafft heute aber eine regulatorische Lücke, die die Evaluation adressieren muss. Das DLT-Gesetz von 2021 hat zwar eine Rechtsgrundlage für Blockchain-Geschäftsmodelle geschaffen, aber es schliesst die Brücke zum Geldspielrecht nicht — die beiden Gesetze existieren nebeneinander, ohne aufeinander zu verweisen.
Die BGS-Evaluation 2026-2026: Zentrale Fragen
Ein Manifesto dreier Schweizer Krypto-Organisationen fordert, dass die FINMA die Innovationsförderung wieder als strategisches Ziel aufnimmt und über Fortschritte berichtet. Diese Forderung klingt harmlos, hat aber direkte Implikationen für den Wettmarkt: wenn die Schweiz sich als Krypto-Standort positioniert, kann sie gleichzeitig Krypto-Zahlungen im Gambling-Bereich nicht ignorieren.
Die zentralen Fragen der BGS-Evaluation, die für Bitcoin-Wetten relevant sind, lassen sich auf drei Punkte verdichten: Erstens, wie effektiv sind die bestehenden DNS-Sperren gegen nicht lizenzierte Anbieter? Die ehrliche Antwort, die jeder in der Branche kennt: wenig effektiv. Ein VPN umgeht die Sperre in Sekunden. Die Evaluation könnte zu strengeren technischen Massnahmen führen — oder zu der Einsicht, dass Sperren allein das Problem nicht lösen.
Zweitens: soll das BGS um spezifische Krypto-Regelungen ergänzt werden? Das könnte bedeuten: explizite Regeln für Krypto-Zahlungen bei lizenzierten Anbietern, Anforderungen an Krypto-Buchmacher, die eine Schweizer Lizenz beantragen wollen, oder ein Verbot von Krypto-Zahlungen im Gambling-Kontext. Alle drei Szenarien sind denkbar, alle drei hätten unterschiedliche Konsequenzen.
Drittens: wie geht die Schweiz mit dem Spannungsfeld zwischen Krypto-Förderung und Spielerschutz um? Das DLT-Gesetz von 2021 hat die Schweiz als Blockchain-Standort positioniert. Gleichzeitig verpflichtet die Verfassung den Bund zum Schutz vor den Gefahren des Geldspiels. Diese beiden Ziele stehen nicht zwingend im Widerspruch — aber sie erfordern eine differenzierte Regulierung, die mehr ist als ein pauschales Ja oder Nein zu Krypto-Wetten. Die Forderung nach technologieneutraler und verhältnismässiger Regulierung, wie sie im Manifest zur Stärkung des Finanzplatzes formuliert wurde, klingt vernünftig — ist aber in der Praxis schwer umzusetzen, wenn das Schutzbedürfnis der Spieler gegen die Innovationsfreiheit abgewogen werden muss.
Was die Evaluation besonders spannend macht: sie fällt in eine Zeit, in der der globale Krypto-Sportwetten-Markt exponentiell wächst. Der Markt für Krypto-Sportwetten allein — ohne Casino-Spiele — wurde 2026 auf über 12,5 Milliarden Dollar geschätzt und wächst weiter. Ignoriert die Schweiz dieses Segment, verliert sie Steuereinnahmen und Marktanteile an Offshore-Anbieter. Reguliert sie es, muss sie das bestehende Monopolmodell überdenken. Es gibt keinen einfachen Ausweg.
Mögliche Szenarien: Regulierung, Duldung oder Verbot?
Ich habe in den letzten Monaten mit Branchenbeobachtern und Rechtsexperten gesprochen und sehe drei realistische Szenarien für die Zeit nach der Evaluation.
Szenario eins: Regulierung. Die Schweiz schafft einen Rahmen, in dem lizenzierte Anbieter Krypto-Zahlungen akzeptieren dürfen, unter Auflagen bezüglich KYC, Spielerschutz und Abgaben. Internationale Krypto-Buchmacher könnten eine Schweizer Lizenz beantragen, müssten aber die gleichen Auflagen erfüllen wie Sporttip. Das wäre der innovationsfreundlichste Ansatz, erfordert aber erheblichen legislativen Aufwand und die Bereitschaft, den Markt zu öffnen.
Szenario zwei: Duldung. Die Evaluation stellt fest, dass die bestehenden Regelungen ausreichen, und empfiehlt keine spezifischen Krypto-Ergänzungen. De facto bleibt alles beim Alten: DNS-Sperren gegen nicht lizenzierte Anbieter, keine explizite Krypto-Regulierung, keine neuen Lizenzen. Die Grauzone besteht weiter. Das ist das wahrscheinlichste Szenario — nicht weil es das beste ist, sondern weil es das einfachste ist.
Szenario drei: Verschärfung. Die Evaluation empfiehlt strengere Massnahmen gegen nicht lizenzierte Anbieter, etwa Payment-Blocking auf Ebene der Schweizer Finanzintermediäre. Krypto-Börsen mit Schweizer Sitz könnten verpflichtet werden, Transaktionen an bekannte Gambling-Adressen zu blockieren. Das wäre technisch anspruchsvoll und politisch umstritten, aber nicht unmöglich. Die FINMA hat bereits den Identifikationsschwellenwert für Krypto-Transaktionen auf 1’000 CHF gesenkt — eine weitere Verschärfung in Richtung Gambling-Prävention liegt im Bereich des Denkbaren.
Wer die gesamte Rechtslage für Bitcoin-Sportwetten in der Schweiz verstehen will, findet dort eine vollständige Analyse von BGS, GESPA und FINMA.
Meine persönliche Einschätzung: Szenario zwei ist am wahrscheinlichsten, mit Elementen von Szenario eins in den Folgejahren. Die Schweiz tendiert in Regulierungsfragen zu pragmatischen, schrittweisen Lösungen statt zu radikalen Umbrüchen. Für Krypto-Sportwetter bedeutet das: auf absehbare Zeit wird sich an der Grauzone wenig ändern. Aber die Richtung ist klar — mehr Regulierung, nicht weniger. Wer heute mit Bitcoin wettet, sollte sich bewusst sein, dass die regulatorischen Spielregeln in den nächsten zwei bis drei Jahren strenger werden könnten. Nicht als Grund zur Panik, aber als Faktor in der langfristigen Planung.
